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Internationales Projekt
Oktober/November 2007

Künstlerische Konzeption (virtueller Raum 3D) – Michael Takeo Magruder (Groβbritannien)
Akademische Forschung – Prof. Richard Beacham (Groβbritannien)
Musikalische Konzeption – Prof. Christine Straumer (Deutschland)
Szenische Konzeption – Katarzyna Gorczynska (Polen/Deutschland), Prof. Christine Straumer (Deutschland)
Ausführende – Astrid Eichler, Katarzyna Gorczynska, Elisabeth Lochmann, Florian Maser, Thu Trang Nghiem, Stefanie Richter, Ulrike Spörl (Studierende der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden)
Technische Betreuung – EZKH, Andreas Lorenz (Deutschland)
Projektleiter CYNETart: Thomas Dumke TMA Hellerau (Deutschland)

Das Projekt wurde zusammen mit der Trans-Media-Akademie Hellerau und dem King’s College London sowie in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste – im Festspielhaus Hellerau realisiert, das Schlusskonzert fand am 18. November 2007, im Rahmen des Internationalen Festivals für computergestützte Kunst CYNETart statt.

                                              

 

Bericht
von Katarzyna Gorczynska

Das vorliegende Dokument ist der Versuch eines Berichtes von der Vorbereitung und Realisierung des Projektes, aber auch von meinen Reflexionen als Mitbegründerin und Mitwirkende.
Dieses Projekt ist interessant für Menschen, die sich mit der Rhythmik in jedweder Weise verbunden fühlen ebenso auch für Choreographen, Tänzer und Tanzwissenschaftler.

Michael Takeo Magruder hat die virtuelle Rekonstruktion von Adolphe Appia´s Bühne erstellt.
Diese heißen „The Staircase“ und „ The Orpheus“, sie sind in der Online – Welt „Second Life“ zu sehen.

Adolphe Appia (1862 – 1928) geht als Schweizer Bühnenbilder, Regisseur und Theatertheoretiker, Mitbegründer der Theaterreform und Anhänger seiner Autonomie in die Geschichte ein. Er unternimmt den Versuch einer Koordination des szenischen Raums mit Musik, komponiert aus geometrischen Raumelementen (Treppen, Würfeln)ein Bühnenbild, in dem durch musikalische Schaltung des Lichtes verschiedene Raumpositionen zu Aktionsebenen der Schauspieler werden. Er postulierte ein dreidimensionales Arrangement des theatralischen Raums, indem er diese Regeln in seinen eigenen Projekten umsetzt. Das Bühnenbild für die Oper von Christoph Willibald Gluck „ Orpheus und Eurydike“ im Festspielhaus Hellerau 1914 war sein erstes realisiertes Bühnenbild.

Michael Takeo Magruder wünschte ein belebtes Bühnenbild in Hellerau. Wir hatten für die Umsetzung des ganzen Projektes ungefähr vier Wochen. Es wurden während der Arbeitszeit an dem Projekt viele E-Mails und Fotos verschickt, ebenso wurden viele Anrufe getätigt. Es entstanden viel verschiedene Zeichnungen möglicher Konstellationen und von Aufstellungen in dem so oft wechselnden Raum.

Etappen der Arbeit:

Wir mussten am Anfang eine Arbeitsweise mit dem virtuellen und der realen Szene finden. Wir hatten die Gröβe der 3D Szene als Skizze, die reale Szene ( welche tatsächlich aus drei groβen Ebenen bestand), musste an die virtuelle angepasst werden.

Ein Schlüsselelement in der Erarbeitung der Choreographie bestand im Aufzeigen des räumlichen Systems Appias durch Bewegung sowie einer Transformation der Gruppe in eine rhythmisch strukturierte Form, die die Elemente der Bühne in zeitliche Abläufe überträgt. Wichtig war für uns die Komposition eines Raumes, d.h. solch eine szenische Konzeption zu schaffen, in der die Gruppe die Raumordnung, die Gestalt der virtuellen Szene formt.

Die Schöpferin der musikalischen Konzeption ist Prof. Christine Straumer. Inspiration wurde für Sie die Partitur von „Orpheus“ von Gluck, aus der Rhythmen, Harmonien und Stimmung assoziiert wurden sowie Elemente der musikalischen Komposition aus der Bewegung. Die Musik entstand simultan zur Choreographie. Während des Konzerts begleitete Christine Straumer die szenische Choreografie durch ihre musikalische Improvisation am Flügel.

Ein Thema unserer Erwägungen waren auch solche Elemente wie:

• Wo soll das Hauptlicht erscheinen.

• oher könnte dazu die Musik kommen, wo soll der Flügel stehen, ob z.B. hinten verborgen (der Klang von            einem zentralen Punkt) oder, ob traditionell aus der Seite der Szene (wir wählten endgültig die letztere Option).

• Die Farbe der Kostüme und Szene. Die weiβe Kleidung verursachte, dass eine Projektion sichtbar auf den        Darstellern war, wir währen also fast unsichtbar gewesen, weshalb wir uns für die schwarze Farbe entschieden. Die reale Szene musste durch ein weiβes Material verdeckt werden, damit auf ihr die Projektion sichtbar wird. Was die Farben der Projektion betrifft, das blieb dem Schöpfer überlassen, er hatte die Möglichkeit, sie am Computer umzuwandeln.

• Es entstand ein Problem mit der Höhe der realen Szene, den Ebenen welche so aufgebaut sein mussten, dass wir uns auf ihnen bewegen konnten und gleichzeitig so groβ, dass sie sich mit der 3D Szene deckte. Wir hatten zum Glück die Möglichkeit bei einem Treffen mit Herrn Dumke die Gröβe und Beschaffenheit der realen Szene festzusetzen (eine Zahl der Treppen, Höhe, Farbe, Art des Materials Treppen weiß bedeckt…)

• Wir konnten die Entscheidungen über die Länge Dauert der einzelnen Szenen und über die Transformation zusammen mit dem Schöpfer des Cyber Raums festlegen, was uns sehr bei der Erarbeitung einer Choreographie half. Die Schöpfer des Cyber Raums konnten dahingehend steuern, wie lange Bilder bleiben und wie lange der Wechsel dazwischen war.

• Hinsichtlich der groβen Ausmaβe der Szene und des Hauptsaales im Festspielhaus Hellerau mussten die Bewegungen raumnehmend sein.

• Eine groβe Erschwerung war für uns, dass wir bis zum Tag des Konzerts noch nicht wirklich den virtuellen Szenenraum gesehen. Die Gruppe musste somit die ganze Zeit mit ihrer Vorstellungskraft arbeiten. Wir hatten nur eine Probe auf der Bühne und erst an dem Tag des Konzerts;

Die Eindrücke, Beobachtungen während der ersten Probe in Festspielhaus Hellerau:

• Wir mussten darauf achten auf der Szene nicht hinzufallen, welche sehr groβ war (ca. 8 m in der Höhe und Breite).

• Wir waren in erster Linie nach der Probe in Hellerau sehr über die Effekte der virtuellen Projektion, welche Schatten warfen, überrascht.

• Eine Projektion des Bildes spiegelte sich teilweise auf unseren Gesichtern, deshalb war zusätzliches Licht nötig ( namentlich im ersten Teil).

• Teile der Performance hatten den Charakter einer Bewegungs- und Klavier Improvisation, das erlaubte die   hhjAnpassung des szenischer Gesamtkonzeptes, an die groβe Szene.

• Die Ausmaβe der virtuellen Szene mussten an die reale Szene angepasst werden.

Verlauf:

• Der Virtuelle Raum begann mit einer Aussicht auf den Himmel, die Sonne und die Wolken.

• Die Szene „The Staircase“ wurde allmählich erleuchtet und ging von Grünen ins Rote über.

• Die Darsteller gingen in die Szene hinein.

• Die erste Szene „The Staircase“- gezeigt in symmetrischen Bewegungen, mit dem Gebrauch von Dalcroze Gesten; Folgen des Lichts (ein Symbol: The Second Life), einzelne Ausgänge, Improvisationen in den kleinen, festgelegten Gruppen.

• Die zweite Szene – eine Transformation, von uns „Chaos“ benannt, begann mit dem musikalischer Signal (Klavier). Die Szene „The Staircase“ verwandelte sich von rot, und dann in der Szene „The Orpheus“ zu blau; ES ERFOLGTE EINE Neukomposition der Bühnenelemente.

• Die dritte Szene „The Orpheus“ ist im Gestaltungskontext von Musik und Bewegung moderner. Nach ihr blieben die Darsteller auf der Szene in unbewegten Posen (Positionen).

• Gegen Ende des Ganzen verwandelte sich der virtuelle Raum langsam in das anfänglich Bühnenbild, also verschwandt eine Szene und es bliebt nur der Himmel, die Sonne und die Wolken.