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Bericht von Christine Straumer
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Zahlen und Fakten
Dalcroze 2003 „Rhythmik und Choreografie“, unter diesem Motto fand vom 8. – 14. 9. 2003 die vierte Internationale Rhythmikwerkstatt im Festspielhaus Hellerau, veranstaltet vom Institut Rhythmik Hellerau e.V. und dem Sächsischen Rhythmikverband im BRE e.V., gefördert vom Sächsischen Musikrat aus den Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturamt der Stadt Dresden, der Kulturstiftung des Freistaates und unterstützt durch die Deutschen Werkstätten Hellerau GmbH, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden e.V. und die Stadtsparkasse Dresden statt. 42 aktive Kursanten aus Deutschland, Polen, Tschechien, Griechenland und den USA besuchten die Kurse und Workshops. Vier öffentliche Veranstaltungen sowie das Symposion zum Thema fanden rege regionale Publikumsresonanz. Besonders breite Öffentlichkeit erreichte der gemeinsam mit der Festspielhaus GmbH konzipierte Tag des offenen Denkmals, der für die ehemalige Dalcroze- Schule Belebung durch die Rhythmik spürbar werden ließ. Die Dresdner Regionalpresse beschrieb die Werkstatt mit zwei Berichten, wobei besonders die Verbindung von Geschichte und Gegenwart, eine der konzeptionell grundlegenden Ideen der Rhythmikwerkstätten seit 2000, gewürdigt wurde. „Aber es ist beeindruckend, wie sich seine (Wolf Dohrns) Vision des Künftigen trotz vieler Irrwege und Missachtungen in der Gegenwart Schritt für Schritt wieder Terrain erobert, wie vital die von Emile Jaques- Dalcroze geprägte Idee ist, schöpferische Kräfte des Menschen zu einer neuen Synthese zu verbinden, den Rhythmus wiederzubeleben in der Erziehung, der Bildung der Persönlichkeit, in Kunst und Leben (DNN vom 19.9.2003).
Inhalte und Erkenntnisse


Choreografiekurse
Rhythmik und Choreografie…, das Thema ist aus dem Gedanken heraus entstanden, an dem einmaligen Präsentationsort der Rhythmik, dem Festspielhaus Hellerau, das Besondere und dem Sehenswerte dieser Kunst, die oft in eine pädagogische und musikpädagogische Nische gedrängt wird, zu demonstrieren. Ob Rhythmik oder „Plastique animee“ eine Bühnenkunst ist und welche Aspekte wichtig und bemerkenswert sind, diese Auseinandersetzung fand gemeinsam mit den Dozenten und Teilnehmern der Werkstatt praktisch in den Kursen und theoretisch im Symposion statt. Dabei spielte und spielt der geschichtlich gezeichnete Ort Hellerau als Ort künstlerischer Avantgarde eine besondere Rolle. Das Ensemble Festspielhaus wurde eigens für die Rhythmik errichtet, Architekt Heinrich Tessenow, Bühnengestalter Adolphe Appia und Erfinder der Beleuchtungstechnik Alexander Salzmann waren mit dem Gedankengut der Rhythmik gleichsam infiziert. Erstmals kamen die nachher Theatergeschichte schreibenden Elemente wie Raumgestaltung und Lichtwirkung in diesem einmaligen Festsaal zur Geltung und verliehen den von der Vernetzung von Musik und Bewegung geprägten Vorführungen die Plastizität und Dimensionalität von beeindruckender Harmonie und Stimmigkeit. Eine neue Ästhetik des Gesamtkunstwerkes war im Entstehen. Dem Nachspüren des Historischen am Ort des Geschehens, getragen vom Schöpfergeist und der Kreativität einer neuen Rhythmikergeneration, sollten zur Beweisführung einer Bühnenfähigkeit der Rhythmik beitragen. Auftretende Fragestellungen, z.B.: Wie kommt es aus einem zunächst musikpädagogisch formulierten Arbeitansatz zu individuellen Formen der Choreografie? Sind allgemeine Grundsätze zu finden? Wie personifizieren sie sich? Ist Schöpfertum methodenimmanent? Welche Rolle spielen Raum, Musik, Körper, Licht. ? standen im Mittelpunkt der Diskussionen unter Teilnehmern und Fachkollegen in den Veranstaltungen und in zahllosen Gesprächen im linken Seitenstudio, das als Bistro von Irmgard Wellhausen hervorragend geführt und gleichsam als Kursbüro mit Gisela Löffel dreifach funktionell genutzt wurde.
Die Werkstatt war dreiteilig konzipiert. In den Kursen A erarbeiteten die Kursanten mit drei erfahrenen Choreografen in einer Woche für die Präsentation am Sonntag drei Stücke. Die Individualität und Ausdrucksstärke der Beiträge, in einigen Fällen von denselben Darstellern realisiert, gaben lebendigen Ausdruck der Möglichkeiten rhythmikgebildeter Menschen (die Kursanten waren RhythmikstudentInnen, StudentInnen in musikpädagogischer oder musikalischer Ausbildung, RhythmiklehrerInnen, ErzieherInnen, TänzerInnen), musikalische und szenische Anforderungen hervorragend zu meistern. „In Silence“, eine Choreografie der TeilnehmerInnen sowie die Sarabande- Bourree I and II aus der Englischen Suite no.1 von Johann Sebastian Bach in der Choreografie von Susanne Jaresand (Stockholm) sprühten von Lebendigkeit, gestalterischer Vielfalt und räumlicher Variabilität. Die Führung verschiedener Gruppenbewegungen durch die Stimmen der Musik, der Gleichklang von Charakter und Tempo der Bach´schen Sätze mit der Gestik der Bewegung wie auch musikalische Genauigkeit, jugendliche Spontaneität und vielfältige kreative Bewegungselemente ließen hier das Besondere der rhythmischen Arbeitsweise klar hervortreten. György Ligetis Aventures beschreibt Isabell Drosdek (Karlsruhe) als hier im Hellerauer Festspielhaus in der Auseinandersetzung mit der Musik- dem Raum- dem Licht –dem Körper entstandenes einmaliges Ereignis. Faszinierend hier die Synthese klanglicher Elemente mit denen der Bewegung, einzelne Charaktere, es gibt wohl von Ligeti selbst 125 beschriebene, werden von den Darstellern ausgedrückt und durch szenische Lichtführung unterstützt. Unter der choreographischen Koordination und Kursleitung von Johannes Bönig (Dresden) entstand „Hunting: Gathering“, ein Streichquartett von Kevin Volans. „In dieser Arbeit stellte ich den KursteilnehmerInnen verschiedene meiner choreographischen Methoden vor. Wichtig war mir dabei, dass ich möglichst wenig selbst realisiere, sondern sowohl Bewegungsmaterial als auch Umsetzung von den Kursanten kommen. Zentral standen dabei unterschiedliche Umgangsweisen der Nähe zur Musik und emotionaler Gleichklang zwischen Choreographie und sowohl tänzerische als auch musikalische Interpretation.“ Das Ergebnis überzeugte durch eine individuelle ausdruckstarke Körpersprache der DarstellerInnen und lebendige symbolträchtige Gruppenbilder. Musik wurde hier in ihrer ganzen Vielfalt im Raum fühlbar und sichtbar. Insgesamt entstand der Eindruck (C.S.), dass die Identität der Rhythmik auf der Bühne von folgenden Faktoren abhängig sein kann:
1. Musikalische Bildung und Arbeit an der Musik als absolutes Ereignis durch den Choreografen, wenig außermusikalische Handlungselemente (Geschichten, Stories), sondern Nutzung in Bewegung ausgedrückter Empfindungen (Körperspannung, Gewicht, Schwung, Balance, Erdung, Polarisation) Differenzierte Nutzung des Körpers mit polyrhythmischen Elementen.
2. Nutzung von Elementen der Raumgestaltung sowie der Wechsel von Gruppenbewegungen, verschiedenen Gruppenformen und Solos in musikalischen Kontext
3. Klarheit durch Verzicht auf illustrativen und dekorative Elemente, gehörte und empfundene Musik durch das individuelle Ohr des Darstellers im Spiegel gemeinsamer Arbeit aller Darsteller sichtbar werden lassen
4. Nutzung der spontanen individuellen Ausdruckmöglichkeiten in der Bewegung der so ausgebildeten Darsteller, Nutzung der Improvisatorischen Fähigkeiten derselben, dabei spielt der Mensch als individuelle oder in der Gruppe eingebundene Aktionsfigur mit eigener Körpersprache und Aktionsenergie eine hervorragende Rolle.
5. Unterstützung der Raum und Klangwirkung durch die Lichtführung. Hier wird der Reformgedanke des von Appia geschaffenen Bühnenraumes aufgegriffen, das Zeichen, das dekorative Element des Raumes durch den belichteten Ort im Raum, die entsprechend beleuchtete Bühne, zu ersetzen.
6. Keine oder einfache Kostümierung, die der Bewegung Spielraum und Klarheit verleiht und strukturbildende Formen zulässt.
Ab Mitte der Woche ergänzten
Workshops und thematische Abende
die Werkstattarbeit. Prof. Reinhard Ring (Hannover) stellte seine Kursarbeit unter das Motto: „Wer fremde Methoden nicht kennt, weiß auch nichts von seiner eigenen (frei nach Goethe)“. Übungsbeispiele aus anderen Methoden der Musik und Bewegung wurden praktisch erprobt, dabei entstanden eindrückliche Bilder mit Bühnenwirksamkeit, die in der Rhythmik (nach Dalcroze) und deren Übungen ihren Ursprung haben. Aus Ihren eigenen Choreografien mit Kindern verschiedenen Alters stellte Prof. Christine Straumer (Dresden) anhand des „Aquariums“ aus dem „Karneval der Tiere“(ein Amateurvideo der Gesamtaufführung im Festspielhaus mit 120 Kindern der 84. Grundschule war am 12. in der Essenspause im Foyer zu sehen) sowie Beispielen der Gestenlieder und Rhythmische Spiele von Emile Jaques- Dalcroze Ideen vor, wie mit Kindern und Jugendlichen zeitgemäße Darstellungen entstehen können, die im Unterricht wie auf der Bühne aus dieser Tradition schöpfen. Prof. Dr. Katja Erdmann-Rajski (Stuttgart) arbeitete am Thema Solochoreografien in der Rhythmik. Jeweils mit einem gemeinsamen „warm up“ begann die zweitägige Arbeit an Ansätze zur Soloarbeit, das Ergebnis waren in kürzester Zeit entstandene kleine Solos, die durch Stringents und Präsenz der Darsteller überzeugten. Für die Abschlussveranstaltung entstanden einige Beiträge (siehe Programm. Der Sonntag vormittag gab es gemeinsam mit Klaus Dreher einen Einblick in die Möglichkeiten in der Arbeit mit percussiver improvisierter Musik.
Arila Siegert (Berlin) untersuchte anhand von zwei Choreografien von Mary Wigman sowohl Ideen, Inspirationen, Vorstellungen und deren Umsetzung in Bewegung in Raum und Zeit. Faszinierend und einmalig fand sie Verbindungen zwischen Theorie, Demonstration und Praxis und regte die Kursanten zur Fortspinnen und Improvisieren im Zusammenspiel mit der kongenialen Klavierimprovisation Prof. Dr. Peter Jarchows an. Hier wurde von den Kursanten Präsenz, Ausdruckswille und Hingabe an den Tanz als Ausdruck intimster Empfindungen verlangt. Als ein Beispiel: Nach erfolgter Arbeit mit den Elementen des Hexentanzes die Aufgabe, den folgenden Ausspruch von Mary Wigman: “Als ich in den Spiegel sah, sah ich mein Gesicht und ich ekelte mich vor mir selbst“ in einer kurzen Soloimprovisation mit oder ohne Klavierbegleitung zu realisieren, dazu trugen die Kursanten selbst gefertigte Masken wie Wigman im Hexentanz. Dierk Zaiser und Isabell Lorkiewicz widmeten sich dem Thema Gewaltprävention durch thematische Arbeit im Rhythmiktheater. Beginnend mit Ihrer Veranstaltung “Kanakenjagd“ entwickeln sie eine ungewöhnliche und spannende Konzeption, fundamentale Kompetenzen der Rhythmik in der Gewaltprävention für Jugendliche aufzuzeigen und zu vermitteln und mit Bühnenpräsenz erziehungswirksam zu werden.
Dritter und wichtiger Teil der Konzeption war das Symposion am Samstag abend, welches mit einer Solochoreografie von Katja Erfuth anschaulich eröffnet wurde. Kursanten, Kursleiter, Theoretiker, Gäste und Interessenten fanden sich zusammen, um gemeinsames Nachdenken und Reflektieren zu praktizieren. Für die englischsprechenden Teilnehmer übersetzte Guido Vorhoff simultan, eine großartige Leistung. Im Mittelpunkt standen Themenstellungen, die Daniel Zwiener stringent in seinem Impulstext formulierte“: Worin ist das Besondere des Dalcroz’schen Ansatzes gegenüber anderen musik- und bewegungspädagogischen Methoden zu sehen? Wie ist es zu erklären, dass eine musikpädagogische Methode Bühnenrelevanz erreichte und Tanzgeschichte schrieb? Welcher Ästhetik folgten die berühmt gewordenen Aufführungen im Hellerauer Festspielhaus von 1912 und 1913, so dass sie zu Publikumsmagneten ähnlich der Bayreuther Festspiele avancieren konnten? Worin genau ist die Inspiration zu sehen, welche Künstlerinnen wie Mary Wigman oder Rosalia Chladek von hier empfingen, worin bestanden ihre Vorbehalte, die schließlich zum mehr oder weniger starken Bruch mit dem „Meister“ führten? Und schließlich: In welcher Weise sind die Methode Jaques-Dalcroze von damals und die Rhythmik von heute noch in der Lage, Bühnenkunst zu initiieren oder anzuregen? An beide informativ wie mediengewandt, gut recherchiert und interessant gestalteten Vorträge schloss sich eine Gesprächsrunde an, deren Zielstellung darin bestand, Meinungen, Erfahrungen und Sympathien gestandener Choreografen aus der Tradition des Deutschen Ausdruckstanzes, Prof. Hanne Wandke als Vertreterin des „Neuen Künstlerischen Tanzes“ in der Tradition Gret Palucca, Manfred Schnelle als Schüler von Marianne Vogelsang, Katja Erfurth, Palucca- Schülerin und praktizierende Ausdruckstänzerin mit den Choreografen der Werkstatt in einem Gespräch zu vereinen. Indem davon auszugehen ist, dass der Deutsche Ausdruckstanz in seiner Bühnenpräsenz wesentlich von der Rhythmik, insbesondere den Ereignissen in Hellerau wesentlich beeinflusst worden ist, sind diese Persönlichkeiten durch ihre Lehrmeister zu bestimmten Idealen im Umgang mit Musik, Bewegung und Raum erzogen worden, die ihre gesamte Arbeit beeinflusst und weitere Generationen geprägt haben. Als ich das Thema Rhythmik und Choreografie gewählt hatte, formuliert ich innerlich die These, dass das Künstlerische aus dem Einmaligen und Aktuellen (auch improvisatorischen) der Identitätsfindung zwischen Musik und Bewegung (Plastik) im Augenblick besteht. Mich interessierte, inwieweit Choreografen, die in der Tradition ausgebildet und erzogen, jedoch ihre künstlerische Identität erworben und bestätigt haben, mit dieser Themenstellung umgehen. Zum Diskussionsschwerpunkt der Verbindung von Musik und Bewegung sagt Manfred Schnelle, dass er beim Hören von Musik Bewegungsbilder vor sich sieht, die sich in verschiedenen Raumpositionen verändern.“ Je nachdem, ob ich sitze, liege oder stehe, verändern sich die Bilder, die ich beim Musikhören sehe“. Für seine Erziehung sieht er die Arbeit mit Wolfgang Zeibig an der Palucca- Schule als verantwortlich, die eine Musikalisierung des Tänzers initiiert hat, die er verinnerlicht aufgesogen und im Unterbewussten verfügbar hat. Katja Erfurth, die durch Ihren Tanz am Beginn der Veranstaltung ihre Beziehung zum Umgang mit Musik eindrücklich zeigte, ist das strikte „Folgen“ der Musik Gesetz. Sie selbst beschreibt, dass Sie aus den Erfahrungen mit den Elementen der Musik, Rhythmus, Harmonie, Tempo ihre künstlerischen Ideen entwickelt und sie erlebt, das diese Auseinandersetzung letztlich ein verändertes Hörerlebnis für sie selbst und für die Musiker, mit denen sie arbeitet, bedeutet. Johannes Bönig beschreibt für sich die Wirkung der Musik als das Herz des Tanzes. Er selbst hat in seinem Studium in Rotterdam Rhythmikunterricht erhalten und schöpft seine Grundkenntnisse musikalischer Strukturen aus diesen Erfahrungen. „Musik ist der Partner des Tanzes“, so Hanne Wandtke. Besonders in der Improvisation, die im Miteinander von Musik und Bewegung im gleichen Empfinden beider Künstler eine neue Qualität der Gemeinsamkeit in einer faszinierenden Übereinstimmung erreichen kann (C.S), schätzt sie die tragende Wirkung der Musik. Dabei trägt nach ihrer Meinung die musikalische Bildung zur Verständigung in vielen Aufgabenstellungen bei und ermöglicht ein tieferes Eindringen in die Zusammenhänge. So ist die Übung „Verdopplung oder Halbierung des Tempos“ nur über musikalische Grundkenntnisse als Aufgabenstellung in der Improvisation zu verstehen. Susanne Jaresand erläutert die in der Tanzgeschichte vorkommenden Herangehensweisen zum Entstehen einer Choreografie anhand dreier modellhaft zu sehender Schwerpunkte, einmal als ein Ausdruck des Materials der Musik, zweites das Darstellen von Stimmungen und drittens das Erzählen von Stories. Obwohl die gegenübergestellten Kategorien natürlich teilweise nicht zu trennen sind und ineinander fließen, bevorzugt Sie den unmittelbaren Ausdruck der musikalischen Empfindung in der Bewegung und sieht dies als aus der Tradition der Rhythmik verwurzelte Inspiration. Eine Zusammenfassung dieser sehr persönlichen Darstellungen war in der Kürze der Zeit fast unmöglich, jedoch ließen sich die theoretischen Aussagen und historischen Überlieferungen der Vortagenden mit lebendigen Erfahrungen und Bildern beleben. Die Identität der Rhythmik besteht zweifelsfrei, alle Gesprächspartner ließen das erkennen, in dem an der Musik orientierten Arbeitsweise in Tanz, Choreografie und so auf der Bühne. Es ist ein „rhythmikidentischer“, aus der Tradition erwachsener Umgang mit Musik und Musik im Raum. Im Mittelpunkt der Bewegung steht der Ausdruck der Empfindung, dazu benützt der Darsteller individuelle Bewegungen in Gesten, Raumformen, rhythmischen Elementen, oft schwierige und komplexe Formen. Dabei spielt beim Erarbeiten wie auf der Bühne das spontane Wechselspiel von Musik und Bewegung in der Improvisation eine hervorragende Rolle. Überzeugung und Wirkung erreicht der Darsteller, indem er keine Rolle spielt, sondern seinen eigenen Ausdruck zeigt, sozusagen Darsteller und Schöpfer in einer Person auftritt.
In den öffentlichen Veranstaltungen war ein umfangreiches Programm verschiedenster Choreografen, Absolventen und Studenten zu sehen, welches durch verschiedene europäische Schulen (Poznan, Lodz, Katowice, Dresden 9 sowie Freiberufler aus der Rhythmikszene (Dierk Zaiser, Isabell Lorkjewicz, Katja Erdmann- Rajski) sehr vielseitig und mit hohem Niveau präsentiert wurde (Programme siehe Werkstattkalender). Mit Interesse verglichen die Teilnehmer die in den Kursen entstandenen Ergebnisse mit denen, die vorbereitet für die Bühne in langer, kontinuierlicher und durchweg professioneller Arbeit entstanden sind. Überzeugend war trotz vieler Unterschiede in Meinung und Geschmack, dass Gemeinsamkeiten erkennbar wurden, bemerkenswert vor allem in einer Stilistik der Bewegung, die eben keine einheitlichen Merkmale hat, sondern vollkommen individuell der Intuition der jeweiligen Darstellerin folgt.
Dank den Technikern des Festspielhauses Hellerau Ulf Naumann und Falk Jäger, die unsere Aufführungen sachkundig begleiteten.
Werkstattkaleidoskop
+++ 8. September… , nachdem alle mit mehr oder weniger Gepäck und nach anstrengender Nachtfahrt gelandet waren, begann die Arbeit pünktlich10 Uhr mit der Eröffnung, der Vorstellung der Choreografiekurse und Erledigung der Formalitäten. Täglich gab es mittags Sandwichs und Kleinigkeiten, 16.30 Uhr gemeinsames Essen, abends ging die Arbeit von 18 Uhr bis 21 Uhr, alle waren an diesem Abend ziemlich geschafft. Auch an die „Sprachenvielfalt“ musste man sich neu gewöhnen.
+++ 9. September… 9 Uhr begann der Tag mit einem gemeinsamen „warm-up“, abwechselnd von Johannes Bönig und Susanne Jaresand geleitet. Außer der im Festspielhaus eingezogenen grimmigen Kälte, es gibt bisher keine Heizung, waren alle guten Muts.
+++ 10. September…,ohne weitere besondere Vorkommnisse
+++ 11. September… beginnen die Kurse B. Gleich morgens gab es die ersten Probleme, weil der große Saal nach meiner Auffassung falsch aufgebaut war, die Bühne stand an der Querseite, und so geriet die Raumeinteilung durcheinander. Am diesem Tag begannen auch die mehrmals täglichen Flügeltransporte aus und in den Saal, die von allen liebe- und rücksichtsvoll gemeistert wurden, obwohl die musikalischen Begleitelemente- sprich schauderlichen Geräusche eines rumpelnden Instrumentes- körperlich weh taten.
13.00 Uhr fand die Mitgliederversammlung Institut Rhythmik Hellerau e.V., des Kursveranstalters statt. Der ehrenamtlichen und unermüdlichen Hilfe von Institutsmitgliedern ist es zu danken, das die vielen unbezahlten Dienste bis hin zu der Bereitstellung von privaten Quartieren für die Kursteilnehmer in Hellerauer Familien reibungslos verlief, dafür herzlichen Dank.
16.30 Uhr Teilnehmerinnen der Werkstatt begrüßen die Teilnehmer der Verleihung der diesjährigen Tessenow- Ehrung im Foyer(Programm siehe zweiter Teil der Veranstaltung am 12. September 21 Uhr)
Gleichzeitig schrieben sich die neu ankommenden Kursanten für die Kurse B ein und 14.45 Uhr begrüßte Christine Straumer und führte in die Organisation und den Ablauf des Kurses ein, dann begann die Arbeit. Die Informationstafel im Foyer war mit den neuesten Tagesinformationen ausgestattet.
21.00 Uhr Kanakenjagd“ oder stellt Mussorgskij Bilder aus
Regie: Dierk Zaiser/ Schauspiel/Tanz/Klavier: Dierk Zaiser/Isabell Lorkiewicz
+++12. September…, nach der Erwärmung mit Katja Erdmann- Rajski begannen die Kurse, an diesem Tag mit Arila Siegert und Peter Jarchow in einer dreistündigen Kursphase und ebenfalls mit Dierk Zaiser, der auf die Abendvorstellung Bezug nahm.
21 Uhr
Choreografien der Teilnehmerinnen der Akademie der Musik in Lodz (Polen)
Jazz Sebastien Bach- Canon Choreografie: Ewa Wojtyga
Dino Saluzzi- Gorrion Choreografie: Monica Derda
Chick Corea- 20 Children´s Songs, no 19
Choreografie: Ewa Wojtyga
Leo Brouwer- Fantasia de las ecos
Choreografie: Alexandra Tokarz
Edgar Meyer- Indecision Choreografie Katarzyna Doborz
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Konzert für Klavierimprovisation
Concert of pianoimprovisation an not only that… inspiered from
„d´Expressions Plastiques“
ein Fleck- one spot Sabina/ Iwona
zwei Flecke- two spots Isabela
die Punkte- the points Iwona
Gespräch der Punkte/ the dialog of the points Sabina/Isabela
die Porträts/ the portraits Barbara/ Sabina
Jazzimprovisation/ improvisation of jazz Sabina
+++13 September
Da an diesem Tag der Zeitplan gedrängt war, fand die erste größere Panne im Stundenplan, eine nicht organisierte Erwärmung, statt, die dann ganz unkompliziert von Monica Kabacinska und Isabella Czerny gemeistert wurde. Sonst lief trotz 13. alles wie geplant
18 Uhr Symposion
Emile Jaques- Dalcroze in Hellerau und seine Wirkung auf die Bühnenkünste
Katja Erfurth (Tanz) Daniel Thiele (Cello)
Johann Sebastian Bach: Suite für V`cello solo BWV 1012
Daniel Zwiener (Dresden): Einfühlung und Abstraktion. Zum ästhetischen (Un)Verständnis der berühmten Aufführungen auf den Schulfesten der Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze in Hellerau 1912 und 1913.
Reinhard Ring Hannover: Emile Jaques-Dalcroze und die Bühnenkünste
19.30 Uhr Round table
Katja Erfurth, Manfred Schnelle, Prof. Hanne Wandke, Prof. Reinhard Ring, Daniel Zwiener, Susanne Jaresand, Isabell Drosdek, Johannes Bönig, Dierk Zaiser, Moderation: Prof. Christine Straumer
21 Uhr „Balance“ Susanne Stanicki
“Das Bett” Alexandra Rzepka
„Sleep save and warm“ “Kwartet Jorgi” Beata Bablinska/Monika Kabacinska
„Variation“ Izabela Czerny
„Parallel“ Tanz/Choreografie: Katja Erdmann Rajski Percussion: Klaus Dreher Licht: Doris Schopf
Spät am Abend trafen sich alle noch bei guter Laune Befindlichen zu einem kleinen Snack.
+++ 14. September… , ganztägig Hospitation zum Tag des offenen Denkmals. Unsere Arbeitsräume wurden für Besucher, es waren sicher einige hundert, geöffnet. Viel Interesse und offene Fragen standen im Raum. In zahlreichen Gesprächen sagten mir die Besucher mehrfach, das es so wunderbar wäre, die Räume mit Musik und Bewegung, mit vitalen und genauso ernsthaft arbeitenden Menschen zu sehen, es wäre das unvergessliche Erlebnis eines lebendigen Denkmals. Was kann es für eine bessere Anerkennung für die Rhythmik in Hellerau geben?
15 Uhr Abschlussveranstaltung,
„In Silence“ Choreografie der TeilnehmerInnen
English Suite no.1 / Johann Sebastian Bach Sarabande- Bourree I and II
Klavier: Henrike Enger Choreografie: Susanne Jaresand
„3 + 1 = 4“ Musik. Meridith Monk „1 mal 1= 1“ Musik n.n. (Sylke Täubrich)
„1 +1 +1 +1 = 4 Musik: Beka Beyond
Ansätze zur Soloarbeit aus dem Kurs von Katja Erdmann- Rajski
György Ligeti: Aventures Choreografie: Isabell Drosdek
Hunting: Gathering Musik: Streichquartett von Kevin Volans
Choreografie. Johannes Bönig
…danach wie schon traditionell langes Abschiednehmen, genießen der nun endlich auch warmen Sonne auf dem Portikus, austauschen von Adressen, Gespräche, Gedanken in die Zukunft… nächstes Jahr im September wieder in Hellerau?!