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Beteiligte

Das Projekt Dalcroze 2002 vom 5. bis 8. September mit 
Madeleine Duret (Solfège)
Katja Erdmann / Prof. Christine Straumer (Rhythmik/Bewegung/Improvisation)
Prof. Karin Greenhead (Rhythmiker)
Anette Jahns (Improvisation- Stimme)
Teresa Nowak (Rhythmiker), Prof. Reinhard Ring (Rhythmik)
Günter B. Sommer (Improvisation-Percussion)

 

Resümee von Christine Straumer
Wie geplant fand vom 5. – 8. September 2002 im Festspielhaus Hellerau nun bereits zum dritten Mal in jährlicher Folge eine Rhythmikwerkstatt unter dem Logo „Dalcroze“ statt, dieses Mal mit der Thematik: „Rhythmik- Solfége- Improvisation“. Emile Jaques- Dalcroze als Begründer der Rhythmik und Leiter der ehemaligen Dalcroze- Schule von 1911- 1914 soll damit eine Erinnerung erfahren und die Rhythmik an den Ort ihrer weltweiten Verbreitung zurückkehren. Wachsende Beteiligung aus dem europäischen Raum und vermehrte Nachfrage im Vorbereitungszeitraum erscheinen bisher als Bestätigung des Konzeptes, dass gerade dieser Ort für ein internationales Zentrum der Rhythmik in historischer Reflexion und praktischer Ausübung prädestiniert sein könnte. Von vielen Beteiligten wird die außerordentliche, durch Offenheit, Kreativität und hohes pädagogisches wie künstlerisches Niveau geprägte Atmosphäre bestätigt, welche der sachkompetenten Planung und Konzipierung mit international bekannten Künstlern und Pädagogen zuzuschreiben ist. Ebenfalls erwähnt wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie von den Kursleitern die besondere Wirkung des Gebäudeensembles. Noch heute spürt man in Tessenows architektonischer Gestaltung die Einbeziehung rhythmischer Elemente in der Raumgestaltung, die Arbeit mit Licht und Form, die Gliederung in verschiedene Raumebenen, die den sich bewegenden Körpern und Menschengruppen akustisch und räumlich ideale Bedingungen erschließen. Die Gemeinsamkeiten im Gedankengut von E. Jaques- Dalcroze und Heinrich Tessenow sind hier in Raum und Form verwirklicht und befördern so ein ganzheitliches Wahrnehmen und Wirken.
Die eigentümliche Zählweise mit „zweimal zweite“ entstand durch die Kombination der Veranstalter, dem erst neu gegründeten Institut Rhythmik Hellerau e.V. in der Nachfolge der „Initiative Rhythmik Hellerau“, Veranstalter der ersten Internationalen Rhythmikwerkstatt, und dem Sächsischen Rhythmikverband im BRE, der die erste Sächsische Rhythmikwerkstatt im vergangenen Jahr ausrichtete. Um weiteren Irrtümern in der Bezeichnung vorzubeugen, erwartet die Interessenten im nächsten Jahr die vierte Rhythmikwerkstatt, angedacht unter den Schwerpunkten „Rhythmik und Choreografie“.
Mein Dank geht an die Förderer, den Sächsischen Musikrat, der aus den Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst förderte und die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die uns ermöglichte, Gäste aus osteuropäischen Ländern einzuladen, an das Kulturamt der Landeshauptstadt sowie an die Werkstätten Hellerau GmbH, die Stadtsparkasse Dresden sowie den Verein der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik e.V., die mit ihren Spenden das Vorhaben unterstützten. Ich danke den beiden Mitarbeiterinnen der veranstaltenden Verbände, Frau Gisela Löffel und Frau Beate Augsburg für die Mithilfe bei der Organisation der Veranstaltung sowie der Festspielhaus gGmbH für die erwiesene Hilfe. Erstmals zeigte die Arbeit für die Rhythmik im Raum Hellerau positive Auswirkungen nicht nur beim Besuch der Abschlussveranstaltung, sondern auch in der kooperativen Hilfe bei der Vorbereitung und Durchführung. Zu den Teilnehmern der Rhythmikwerkstatt gehörten zwei Lehrerinnen der Grundschule Hellerau. Viele Kursteilnehmerinnen konnten, unter finanziell erschwinglichen Bedingungen oder ganz umsonst bei Hellerauer Familien wohnen und auch die Rhythmikstudentinnen der Hochschule für Musik erwiesen sich als großzügige Gastgeberinnen.
Zunächst gab es denkbar schlechte Vorboten. Die schlimmste Flutkatastrophe in der Geschichte Dresdens ließ angemeldete Teilnehmer wie Veranstalter aufhorchen. Daraus erwuchsen finanzielle Probleme der Stadt, erschwerte Reisebedingungen und persönlich betroffene Kolleginnen und Studentinnen, wie die geplante Kursleiterin Anette Jahns, die ständig neues Durchdenken und flexibles Reagieren erforderten. Dann fiel auch noch die gesamte Zeit – und Raumplanung sprichwörtlich ins Wasser, das Staatsschauspiel hatte in seiner Notunterkunft Festspielhaus Hellerau den großen Saal, der im Kurs fest integriert war, geflutet und ihn so völlig unzugänglich gemacht. Nur mit größter Anstrengung und hohem Zeitaufwand konnten die anstehenden Probleme gelöst werden, danke für die hilfreiche Unterstützung vom Geschäftführer des Sächsischen Musikrates, Herrn Tannenberg und der Kulturstiftung durch Frau Schürrle sowie dem Geschäftsführer der Festspielhaus gGmbH, Herrn Puls und dem technischen Leiter Herrn Kaden und nicht zuletzt den Kollegen des Schauspiels und dessen Intendanten Holm Freytag. Kurzfristig stellte die Firma Gäbler dem Kurs kostenfrei einen Steinway- Flügel leihweise zur Verfügung, so dass auch die räumliche Ausstattung gewährleistet werden konnte. Das die Kursanten trotzdem Einschränkungen, z.B. handgeschriebene Pläne hinnehmen mussten, war unabwendbar und ich hoffte auf Verständnis und Gelingen. Jedem Einzelnen sei hier für die erwiesene Großzügigkeit und Flexibilität gedankt.
Kurskaleidoskop
++++Mittwoch, 4. 9.
++vormittags letzte Besprechung im Festspielhaus
abends reisen die ersten Kursteilnehmer an
++ Anfragen per SM
++ das „Kurstelefon“ klingelt minütlich
++++++ Donnerstag, 5.9.
++morgens Probe mit den Studentinnen des dritten Studienjahre für die Eröffnungsveranstaltung
++Treffen mit den Kursleitern 15.00 Uhr im Festspielhaus
++entgültiges Chaos wegen 17 Uhr stattfindender Verleihung des Tessenow-Preises, dazu Probe des Schauspielhauses, die Teilnehmer müssen den Seiteneingang benützen, die Atmosphäre ist gespannt, außer Lena Romanowa aus Moskau, die wegen der Brände um die Stadt nicht pünktlich ankommt, sind alle da
++ Besucher und Kollegen des Festspielhauses bewundern das babylonische Sprachgewirr
++18 Uhr Eröffnung mit Beiträgen aus Dresden (Arthur Honegger: „Sept pieces breves“ und „Der Brief“ nach „Volkslied“ Joachim Ringelnatz) und Einführungen der Kursleiter in ihre Themenschwerpunkte. Teresa Nowak mit ihrer Gruppe „Plastique animee“ beeindruckt erneut mit Originalität, musikalischer Feinsinnigkeit und gestalterischer Raffinesse , anschließend eine Improvisation „Führen und Folgen“ mit Katja Erdmann- Rajski und Christine Straumer und eine Gruppenimprovisation mit Günther „Baby“ Sommer, Katharina Hilpert, Anette Jahns sowie den vorher Genannten.
++erste Begegnungen und Gespräche

++++++ Freitag, 6.9.
++morgens warm up mit Katja Erdmann- Rajski und Susann Jahresand von der Königliche Musikhochschule Stockholm (als Gast) nach freier Wahl, danach Kursarbeit
++abends beeindruckende Vorstellung der Gäste aus der Musikakademie Katowice unter Leitung von Anetta Pasternak mit Werken von Witold Lutos³awski – Concerto for cello (Einleitung) in der phantastisch ausgeformten Darbietung von Isabela Czerny sowie Gruppenarbeiten nach Johann Sebastian Bach – Adagio c minor for solo violin, John Cage – „And the earth shall bear again“ und George Antheil – Sonata for violin and piano part IV.
++ erneut Begeisterung für „plastique animmee“ Teresa Nowak, Agatha Stabrowska, Monica Kabacinska und Kornelia Zeberska.
++Vorstellung der Arbeit von Frau Prof. Wassilika Gawasowa aus Sofia durch eine Demonstration mit Kursteilnehmern
++allgemeines Interesse, aber auch Müdigkeit von der Tagesarbeit zu spüren
+++++ Samstag. 7.9.
++warm up wie 6.9. , Kursarbeit geht voran, Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten mit Interesse und höchster Konzentration,
++Walther Menacher bietet selbst gefertigtes Rhythmikmaterial seiner Firma an, die Idee konkretisiert sich, Verbindungen zu den Hellerauer Werkstätten zu knüpfen
++Abendprogramm entfällt wegen Premiere des Staatsschauspiels, Interessenten treffen sich bei Schmidt´s im Hof der Hellerauer Werkstätten, neue Pläne werden geschmiedet, Vereinbarungen getroffen, fachliche Probleme diskutiert, so ein tägliches Forum mit gemeinsamen Essen sollte in Zukunft zum Kursprogramm gehören.
+++++ Sonntag 8.9.
++für alle ist die Zeit zu schnell vergangen, Besucher des Festspielhauses zum Tag des offenen Denkmals können zuschauen
++Vorführungen für den Nachmittag werden vorbereitet, davon unabhängig gehen die Kurse weiter, Adressen werden ausgetauscht, Notenblätter und CD´s autorisiert, ++die ersten müssen schon mittags zur Heimfahrt antreten
++14 Uhr Ausgabe der Teilnehmerurkunden, allgemein fröhliche Stimmung mit Kanonsingen und Dank der Teilnehmer an die Kursorganisatorin und Leitung sowie an die Kursleiterinnen.
++15 Uhr Abschlussveranstaltung open air mit Publikumsresonanz und lockerer Stimmung, Beiträge der Kursleiter mit ihren Gruppen und Choreografien der Gruppen Pasternak und Nowak (Auswahl aus den bereits gezeigten Beiträgen: Lutoslawski, Antheil, Mauselied)
++Verabschiedung mit vielen neuen Freunden und Eindrücken, herzliche Szenen des Dankes und der Hoffnung: Bald wieder in Hellerau

Erwartungen, Neuigkeiten, Ergebnisse
Erstmals waren zur Rhythmikwerkstatt überwiegend Rhythmikerinnen und Rhythmiker bzw. Musik- und Tanzpädagoginnen angemeldet, die sich entweder in der Ausbildung befinden oder eine berufliche Qualifikation bzw. Diplomabschluss im Fach Rhythmik haben. Bemerkenswert war ebenfalls (auch dank der Zuwendung der Kulturstiftung) die hohe internationale Beteiligung. Von den insgesamt 51 angemeldeten wurden 44 Teilnehmende aktiv (7 Absagen kamen kurzfristig) wir konnten 19 Teilnehmerinnen(44%) aus 7 europäischen Ländern begrüßen, darunter Gäste aus Russland(1), Bulgarien(1), Schweden(3), Norwegen(1), Tschechien(2) Polen(11) und Deutschland (25).
Beide Aspekte sind von Bedeutung sowohl für die Rhythmik als auch für ihren Standort Hellerau. Nach fast acht Jahrzehnten werden im Festspielhaus wieder die Gedanken, die Musik und die Übungen gepflegt, die 1910 zur Erbauung geführt haben. Ein internationales Forum des gegenseitigen Kennenlernens, des Austausches und ebenso Diskussionsebene über die Entwicklung der Rhythmik und ihrer Tendenzen ist möglich geworden. Dazu trägt auch das international besetzte Dozententeam bei. Allmählich wird Rhythmik in Hellerau wieder wahrgenommen, von der Öffentlichkeit, der Fachwelt und den Hellerauern.
Das Konzept Rhythmikwerkstätten „Dalcroze 2000/2001 und 2002“ war und ist darauf ausgerichtet, historische Aufarbeitung und aktuelle Strömungen miteinander zu verquicken. Im diesjährigen Untertitel traditionell /experimentell wird dieses Ansinnen thematisiert. Traditionell soll dabei als der Tradition Emile Jaques- Dalcroze folgend verstanden werden. Das wachsende Interesse und der Spaß gerade auch jüngerer Teilnehmerinnen am Üben schwieriger Koordinationsaufgaben, wie sie zum Beispiel zum Repertoire von Reinhard Ring gehören, bestätigt einmal mehr, dass diese Übungen vom lerntheoretischen Ansatz hochaktuell und nützlich für eine präzise Bewegungstechnik sind. Seine vielen Hinweise zu Lern- und Merkstrukturen in der Rhythmik werden zu besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Anwenden in der Praxis, im Beruf oder Studium. Mit viel Hingabe arbeiteten die Teilnehmenden die Übungen des rhythmischen Solfége mit Madelaine Duret. Sozusagen aus erster Hand konnte jeder seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und es gab auch sofort spürbare Leistungsgrenzen. Eindeutig wurde reflektiert, dass das rhythmische Solfége zur Ausbildung und zum täglichen Training von Schülern und Lehrern gehören muss. Das sollten den Skeptikern zu denken geben, die allzu leicht diese handwerklichen Grundlagen, das singend- hörende Bewegen und Üben der Notenschrift in der Rhythmik als überholt darstellen. Karin Greenhead widmete sich dem zeitlichen, räumlichen und dynamischen Umsetzen der Musik in Bewegung. Mit Materialien wie Bällen (Dynamik, Impuls, Akzente) und Tüchern (Phrasierung) vermittelt sie eine am Hören orientierte kreative Umgangsweise mit dem Körper, die Laien wie Profis eine unmittelbar entstehende, lustvolle und höchsten künstlerischen Ansprüchen genügende Darstellung ermöglicht.
Experimentell stand für Experimentieren im Umgang mit Instrumenten, dem Körper, der Gruppe. Günter Sommer mit seiner Partnerin Katharina Hilpert arbeiteten in zwei Komplexen: Erforschen von Klangeigenschaften percussiver Instrumente sowie Üben und Spielen kleiner Ensemblestücke, und Improvisation in Verbindung zur Bewegung. In kurzer Zeit konnten die Teilnehmenden einen Mambo ganz ordentlich darbieten und 4 Miniaturen in Musik und Bewegung erarbeiten. Das Thema des Kurses mit Katja Erdmann- Rajski und Christine Straumer lautete „ Innere und äußere Pulsation“. Über das Umsetzen von hörbaren Impulsen(„Crossings“) zum inneren Hören und stillen Bewegen von Stimme und Atem zum rhythmischen Strukturieren bekamen die Teilnehmenden Anregungen zum Hören auf den Körper, den Impuls des Partners und zum Bewegen innerer und gehörter Musik.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden in den vier Tagen mit einem anstrengenden Programm konfrontiert. Angenehm reflektiert wurde die Möglichkeit der freien Kurswahl, auch sah man in der Angebotsvielfalt durchaus Bereicherung und Ansporn. Manche wünschten eine klarere Themendarstellung im Vorfeld, auch der Kursleiter, ihrer methodischen Konzepte sowie strengere Kurseinteilung. Gerade diese Freiheit wurde von anderen wieder als wohltuend empfunden. Ebenso wurde eine Vermischung von hohen künstlerischen Ansprüchen und eher berufspraktischen Bedürfnissen in den Teilnehmergruppen wahrgenommen. Wankelmütigkeit gab es auch beim Thema Vorführung, von Begeisterung bis zu Skepsis reichten die Meinungen, ob man eben Gearbeitetes zeigen kann, wie frei man mit neu Gelernten und Geübten in der Improvisation umgehen kann. Die Resonanz der Abschlussveranstaltung, dank des guten Wetters vor dem Portikus auf der Treppe möglich, nahm den Zweiflern ihre Argumente. Als Bereicherung wird sie, zu den Hellerauer Kursen gehörend, als eigenschöpferisch sichtbares Erlebnis einer Kursarbeit weiter bestehen.
Laut wurde der Wunsch nach Weiterführung, positiv bemerkt die Kontinuität. Auch die Beibehaltung des Niveaus der Veranstaltung und der Internationalität, sowohl der Teilnehmer als auch der Dozenten, wird neben der immer wieder betonten besonderen Ausstrahlung des Gebäudes als anziehend geschildert.
Für die Veranstalter, Förderer, Helfer sind damit die Weichen für 2003 gestellt.
Ich hoffe weiterhin auf gute Zusammenarbeit, fröhliche und erfahrungsreiche Stunden mit Musik und Bewegung, rhythmikinteressierte Menschen, fachlich begierige Studierende und ein Gedeihen der Rhythmik in Hellerau.
Prof. Christine Straumer
Erste Vorsitzende des Institutes Rhythmik Hellerau e.V.
Vorstandsmitglied im Sächsischen Rhythmikverband des BRE e.V.
Projektleiterin